Montag, 10. Februar 2014

Apropos Gleichzeitigkeit: Silvester 2006 mit Bug: Hab ein Ulnaris-Syndrom entwickelt, als ich ihn hörte und gleichzeitig über eine Leberwurstsemmel schrieb. Oder war es Blutwurst?
Blog, Sonnabend, 9. Februar 2008: Ob es das ist, Erwartung zu spiegeln? Ich sehe dich an, ahne, was du erwartest, reagiere und du bist beruhigt? Ob das Nähe ist? Und wie ahne ich Erwartetes? "Tja, Schrumpel", meint Bug. Und kontert mit dem KeinOhrHasen-Titelsong.

Blog, Montag, 31. Dezember 2007: Der Weg rüber war schlimm. Es stinkt nach Sprengstoff. Armut stinkt. Kaum ist es so dunkel, dass Gesichter nicht zu erkennen sind, zündet dir scheinbar jeder sprengstoffbestückte Idiot seinen Knaller körpernah. An der Ecke Glashütter/Bärensteiner hat ein Jeep extra Gas gegeben, als er auf mich zukam, und ist ohne zu blinken abgebogen, um mich sicherer zu überrollen. So offenen Hass spüre ich selten wie in den Nächten zum Neuen Jahr. Tim hat mir versprochen, Licht mitzunehmen, wenn er tatsächlich an die Elbe geht, und anzurufen, wenn er wieder zu Hause angekommen ist. Per Festnetz. Alles andere bricht dann garantiert zusammen. As every year. Draußen ist Krieg. Aufgeheizt mit allem, was Sprengstoff und Gaspedal bei entsprechender Dröhnung bieten, das Martinshorn als Soundtrack. Ich zittere jetzt noch. Scheiß-Gaslaternen-Romantik. Ich wünsche denen IR-Videoüberwachung und die vernetzt, so mies die Bildauflösung auch im Moment noch ist. Vielleicht gibt es ja Bastler wie Wolle, die sie aufpeppen. Mir ist zum Kotzen. Wenn es nach mir ginge, müsste jeder, der Silvesterknaller kaufen will, einen Einkommensnachweis mitbringen, aus dem hervorgeht, dass er kein Hartz-IV-Empfänger ist. I don´t like Brigitte aus dem Bug´schen Repertoire. Egal. Alles. Mir ist alles egal. Fuck them all. Just for Fun. Außerdem wird das sowieso nix, solange es in Striesen keinen Ortsverein gibt, der sich dafür interessiert, was nach Einbruch der wortlosen Dunkelheit außerhalb der TV-Eingangsstrahlung passiert. Was nützt der schönste Baum, wenn keiner drunter quatscht. Huchja. Wer unterhält sich schon bei dem Funzellicht länger als nötig draußen. Es ist, als ob es keinen Mittelweg zwischen blauem Stadionlicht und Gas gibt. Ich hasse Denkmalsschutz. Wenn die Lampen unter den Platanen am Goldenen Reiter nicht so beknackt aussehen würden... So hell wäre schön. Da sitzen auch Leute. Licht ist eben wichtig. Nicht nur die Kneipendichte. Denn die ist hier nicht geringer als auf der Touri-Strecke.

Blog, Sonntag, 31. Dezember 2006: Widerstandsarme Recherche. Hab inzwischen gelernt vorauszusetzen, dass mein Gegenüber reden will, wenn ich auf ihn zugehe. Dass er fotografiert werden will. Gerade jetzt. In diesem Moment. Von mir. Egal wie ich aussehe. Nur dadurch, dass ich ihn anspreche. Ich spare erstaunlich viel Zeit dadurch. Komisch, dass dazu erst ein Zeitungspraktikum nötig war. Der Übergang vom Störer zum Investigator war eine kleine Revolution für mich. Beobachten, beschreiben und das Beobachtete nach dem Beschreiben wieder Beobachten. Es gibt nur Weniges, was so befriedigend ist wie dieses Wechselspiel von Beobachten und Beschreiben, ohne eingreifen zu müssen. Eine unwahrscheinliche Ruhe trotz Echtzeit geht davon aus. Nichts drängt, nichts treibt. Nur die Gewissheit, dass das, was ich sehe, reproduzierbar - also Teil einer Wahrheit - ist. Und dann das SichAneinanderReiben der unterschiedlichen Perspektiven als Vitalität mitten in einem Konfliktherd zu genießen, tut gut. Es fühlt sich wie Heimat an. Brodelnd und explosiv. Jeder Beschriebene sofort bereit, zu kontern und Richtigstellungen einzufordern. Je detaillierter die Beschreibung wird, um so lauter ist das Feedback ... Verdammt, warum habe ich das Gefühl, mein rechtes Bein schläft ein? Drinnen und Draußen... Das linke Bein und der rechte Arm haben sich noch nicht gemeldet. Immerhin. Irgendwer scheint sich da in der körpereigenen Peripherie für mich zu... Verrückt. Ich werde verrückt. OK, es ist verrückt, zehn Sekunden wegzudenken. Ich brauche nicht ontop zu deafferenzieren, ich habe zehn Sekunden Vorlauf mit dem, was ich schreibe. Hab Tim gebeten, die Jacke mit den Reflektoren anzuziehen, wenn sie um Mitternacht an die Elbe gehen. Am liebsten wär ich bei ihm. Ob heute Neumond ist? Es ist so dunkel. Vielleicht lässt er sich überreden, wenn ich ihm sage, dass ich mich langweile? Pech, es ist komisch, sagt er.

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